Digitale Transformation und Emergenz.

Digitalisierung und Vernetzung bereichern unser Leben nicht nur mit neuen Technologien und Anwendungsmöglichkeiten, sie bilden auch den Rahmen eines neuen Handlungsraums mit veränderten Strukturen und Prozessen. Dieses System funktioniert anders als das, an das sich der Mensch die letzten Jahrhunderte gewohnt und angepasst hat. Warum Digitalisierung und Vernetzung zu einem emergenten System führen, welche Rolle Technologien, Menschen und neue Fähigkeiten darin einnehmen und warum digitale Transformation einen organisationalen Paradigmenwechsel bedeutet, sind jene Fragen, die in unserem Fokus stehen.

Digitalisierung

Technologische Perspektive.

Das exponentielle Generieren digitaler Daten, deren Verarbeitung, Umwandlung und Speicherung auf immer leistungsfähigeren Systemen, der Transfer von Informationen über globale Datennetze sowie deren mobile Nutzung auf miniaturisierten Anwendungssystemen sind Eckpfeiler des technologischen Fortschritts und Grundlage dessen, was in Zukunft Realität sein kann.

Produktion zu Grenzkosten gleich Null, Automatisierung und Digitalisierung all dessen, was von Atomen in digitale Bytes umgewandelt, weiterverarbeitet und angewendet werden kann. In Wahrheit ist das nahezu alles. Digitalisierte Unterhaltungsmedien, autonome Produktionslinien oder selbstfahrende Autos sind uns bekannt oder erscheinen zumindest nicht mehr abwegig. Sich aber vorzustellen, dass Hausbau, Operationen oder neue Produktgenerationen von Systemen autonom realisiert werden, wirkt auf uns dann doch noch etwas befremdlich. Digitalisierung ist tatsächlich Neuland für uns und technologische Singularität für viele eine Utopie.

Wie auch immer die kommenden technologischen Entwicklungen aussehen werden, die Gegenwart ist bereits jetzt von einer veränderten Qualität und Quantität an Möglichkeiten geprägt, die die Art, wie wir miteinander interagieren und was wir untereinander transferieren, nachhaltig beeinflusst haben. Damit einhergehend hat sich ein großer Informations-, Wissens-, Handlungs-, Kompetenz- und nicht zuletzt Adaptionsbedarf auf allen denkbaren gesellschaftlichen Ebenen ergeben. Digitale Transformation betrifft jeden, ob man will oder nicht.

digitale Transformation sozioökonomische Perspektive

Sozioökonomische Perspektive.

Aktuell sind weltweit knapp 4 Milliarden Menschen mit dem und über das Internet verbunden. Ihren ersten Erfolg feierte das Netz da, wo webbasierte Kommunikation und Konsumption zur Kulturtechnik ihrer Nutzer wurden. Die diesbezüglichen Vorteile virtueller Interaktion und Transaktion liegen auf der Hand: kostengünstig, direkt, meist synchron sowie zeit- und ortsunabhängig.

Seither hat sich das Netz und ihre Teilnehmer emanzipiert. Immer dann und immer dort, wo sich Beziehungsstrukturen und Austauschprozesse im Netz direkter und ressourcenschonender realisieren lassen, findet ein Wechsel vom analogen-kontrollbasierten hin zum digitalen-offenen System statt. Eine der Ratio und Ökonomie geschuldete Konsequenz, die sich mal früher und mal später durchsetzt.

So wie Digitalisierung im technischen Verständnis eine nahezu uneingeschränkte Umwandlung von analogen in digitale Wertbestandteile bedeutet, bedeutet Vernetzung gleichermaßen, diese Werte in einem digitalen Datennetz auszutauschen. Von einer solchen Entwicklung können grundsätzlich keine gesellschaftlichen Bereiche ausgenommen werden, egal ob es sich um Medien, Wirtschaft, Finanzen, Bildung oder Politik handelt.

Es ist eine Frage der Veränderungsbereitschaft und Adaptionsfähigkeit der einzelnen Systemmitglieder, die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen und neue Möglichkeiten nutzbar zu machen. Selbstverstärkungskräfte führen dazu, dass sich eine Innovation, eine Idee oder eine Meinung mitunter rasend schnell verbreiten und von den einzelnen Mitgliedern innerhalb eines Systems frei adaptiert werden können. Darin liegt der gravierende Unterschied zu früher, als mangels dichter Beziehungsstrukturen und omnipräsenter Austauschmöglichkeiten sehr Vieles “Top-Down” bzw. kontrollbasiert, linear-hierarchisch geplant, umgesetzt und angepasst werden musste.

Von der kreativen Idee bis hin zum innovativen Leistungsangebot ist es heutzutage kein allzu weiter Weg mehr. Jedem steht ein reich gedeckter Tisch an Möglichkeiten zur Verfügung: transparente Information, weltweit verteilte und vernetzte Wissensträger, alternative Finanzierungsmöglichkeiten sowie Skaleneffekte und Reichweite auf einem globalen Markt mit 4 Milliarden potentiellen Kunden.

Sozioökonomische Emergenz ist das Resultat eines offenen, multilateralen und partizipativen Systems, das durch direkten materiellen wie immateriellen Werteaustausch vernetzter Akteure charakterisiert ist. Eine Konstellation, in der das autonome Zusammenspiel einzelner Systemelemente neue Strukturen und Eigenschaften hervorbringt, die weder vorhersehbar noch kontrollierbar sind. Genau unter solchen Voraussetzungen verändert sich das Zielbild, das Aufgabenspektrum und die Selbstverständlichkeit einer Organisation.

Organisationale Perspektive.

Trifft Emergenz auf traditionelle sozioökonomische Handlungsmuster und -strukturen, kommt es unweigerlich zu einer System-Inkompatibilität. Ein Mehr an Prozesskontrolle oder intensivere Planung zielen vielfach ins Leere, wenn es weniger zu kontrollieren und zu planen gibt. Die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen Veränderungsdynamik des Umfelds und der Anpassungsfähigkeit einer Organisation rückt ins Zentrum digitaler Transformation.

Welche Gestaltungs- und Spannungsfelder sich für Unternehmen und Institutionen daraus ableiten lassen, sollen folgende Aussagen verdeutlichen.

Organisation

Adaptionsfähigkeit
  • Digitaler Wandel trifft auf linear-hierarchische Organisation
  • Organisationsentwicklung auf Unverständnis
  • Organisationsanpassung auf alte Denkschule
  • Agile Organisation auf internen Mikrokosmos
  • Offene Organisation auf geschlossene Wertschöpfungsketten
  • Wertschöpfungsökosystem bedeutet Wettbewerbsvorteil

Technologie & Prozesse

Technologie & Prozesse
  • Technologischer Fortschritt trifft auf bestehende Fähigkeiten
  • Informationsbedarf auf Informationsflut
  • Wissenslücken auf Expertenmangel
  • Externe Partner auf Zeit- & Kontextverlust
  • Neue Geschäftsprozesse auf Handlungsdefizite
  • Kompetenzmangel auf Wettbewerbsnachteil
  • Kernkompetenz bedeutet Wettbewerbsvorteil

Mensch

Mensch
  • Rollenverständnis trifft auf Job-Title
  • Eigeninitiative auf “schauen wir mal”
  • Selbstorganisation auf Kontrolle
  • Offene Kommunikation auf Misstrauen
  • Vertrauen auf mangelnde Fehlertoleranz
  • Reziprozität auf Eigeninteressen
  • Teamfähigkeit auf Bereichsdenken
  • Zusammenarbeit bedeutet Wettbewerbsvorteil

Digitale Transformation bedeutet aus Sicht von DIGNIS die Fähigkeit einer Organisation, sich als adaptive Komponente eines emergenten Systems zu verstehen.

Als Gegengewicht zur Veränderungsdynamik ihrer Umwelt sind Organisationen angehalten, sich nach innen wie nach außen hin zu öffnen und ihre Wissensbasis in Form eines dichten und eng gekoppelten Wissensnetzwerks auszubauen. Die Qualität der darin stattfindenden materiellen wie immateriellen Wertflüsse entscheidet schlussendlich über Erfolg oder Misserfolg.

Mit den Digital Value Networks bietet DIGNIS eine passende Antwort auf die Herausforderungen organisationaler Veränderungsnotwendigkeit.